Schmähbrief an die Stadt Eisleben übergeben

Der Anwaltsverein hat am 29.01.2010 mit freundlicher Unterstützung der DEUTSCHEN BANK und der Stiftung Luthergedenkstätten im GeburtshausEnsemble Martin Luthers in Eisleben einen Vortrag zu einem kürzlich aufgefundenen Schmähbrief mit Schadensbild des Hilmar von Schlannewitz aus dem Jahre 1567 veranstaltet.

Übergabe Schmähbrief 

Der Vortrag wurde gehalten vom Rechtshistoriker Michael Rockmann. anschließend gab es ein Buffett, das von der DEUTSCHEN BANK gesponsert wurde. Es verfolgten viele Mitglieder der Anwaltschaft als auch Vertreter des geladenen Stadtrates und die Oberbürgermeisterin den sehr interessanten und auch kurzweiligen Vortrag.

Ein Foto des Schmähbriefes mit Erläuterungstext wurde dann gerahmt der Oberbürgermeisterin der Stadt Eisleben, Frau Jutta Fischer, am 10.03.2010 im Rathaus im Beisein des Niederlassungsleiters der DEUTSCHEN BANK in Eisleben Herrn Flemming und des Leiters der Stiftung Luthergedenkstätten Eisleben Herrn Dr. Phillipsen durch den Vorsitzenden des Anwaltsvereins, Rechtsanwalt Jens Döpke, übergeben.

Frau Fischer hob lobend das Engagement des Anwaltsvereins für das kulturelle Leben der Stadt hervor und wünschte sich für die Zukunft weitere solcher Veranstaltungen.

Der Schmähbrief mit Schandbild des Hilmar von Schlannewitz vom 30. Juni 1567

Die Überlieferung des Schähbriefs stellt für die Eisleber Stadtgeschichte einen besonderen Glücksumstand dar. Er befindet sich im Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg ob der Tauber und hat keine eigene Signatur. Er besteht aus zwei zusammengesetztes Papierstücken. Das größere obere hat die Abmaße von 43,5 x 62,5 cm, das untere kleinere Papierstück dagegen eine Größe von 21,5 x 41 cm und ist nur mit Schrift versehen.

Der Aussteller des Schmähbriefes, Hilmar von Schlannewitz, gehörte einem Adelsgeschlecht des Erzbistums Magdeburg an. Im 16. Jahrhundert besaßen die Brüder Albrecht und Hilmar von Schlannewitz Güter in Schneidlingen, Tarthun und Löderburg bei Staßfurt. Hilmar von Schlannewitz hatte eine Hauptsumme Geldes, Zinsen und Schadensersatz von Stadtvogt, Rat und Gemeinde der Altstadt Eisleben aufgrund von Brief und Siegeln zu fordern, war aber trotz mehrfacher Mahnungen nicht bezahlt worden. Nun wollte er sie mit Schmähschriften und Schandgemälden angreifen, damit „ ein jeder Ehrliebender von den ehrvergessenen, treulosen loblosen, siegellosen Buben und Bösewichtern und ihrem falschen Judassiegel“ wüsste, sich vor ihnen hüte und sie meide, bis alle Schulden bei ihm, Hilmar von Schlannewitz, völlig beglichen seien.

Von Hilmar von Schlannewitz geschmäht wurden die Mitglieder der Räte der Altstadt Eisleben. Als Stadtvögte erscheinen Wolf Buchner, Christoph Moshauer und Hans Trendeler. Als weitere Ratsherren ohne genaue Bezeichnung ihres Ratsamtes finden dagegen Erwähnung Michael Ölhafen, Volkmar Großmann, Hans Kindelbrück, Andreas Ketzschke, Hans Preu, Hans Menth, Hans Fincke, Peter Metzeler, Kilian Kuntze, Christoph Stahl, Andreas Königrodt, Valtin Blankenberg, Clemens Wiedemann, Hans Rincke, Paul Schenke, Hans Schütze, Benediktus Tauer, Caspar Meyer und Hans Heidelberg. Unter den Namen der Ratsherren begegnen sehr bekannte und heute kaum oder gar nicht mehr geläufige. Wolf Buchner, Gräflich Mansfeldischer Rat, Prinzipal der Gräfenthaler Saigerhandelsgesellschaft, Hüttenmeister und Stadtvogt in Eisleben, dessen berühmtes Epitaph in Luthers Geburtshaus gezeigt wird, ist zweifellos die schillerndste und markanteste der Persönlichkeiten.

Das Schandbild verdeutlicht, dass dem Innehaben von Ehre in der Frühen Neuzeit eine ungleich größere Bedeutung zukam als heute. Die Eisleber Ratsherren hatten ein Interesse daran, berechtigten Forderungen nachzukommen, damit ihre Ehre und Leumund unangetastet blieben. Nach mehreren erfolglosen Mahnungen war deshalb ein Schmähbrief mit Schandbild für den damaligen Rechtsalltag eine sinnvolle Zwischenstufe auf dem Weg zur erfolgreichen Beendigung eines Rechtsstreites.

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